Freimaurerei ein modernes Kulturangebot für freie Männer von gutem Ruf

(Der komplette Text steht hier als Pdf-Datei zum download zur Verfügung)

 

Der scharfzüngige irische Dramatiker George Bernard Shaw (26.7.1856 – 2.11.1950) ist einmal gefragt worden, was eine gute Ehe sei. Er hat darauf mit einem Satz geantwortet:
„Man lebt gern in ihr, fühlt sich wohl, spricht aber nicht darüber.”
Und mit einem verschmitzten Lächeln ergänzt – „eben wie in einer Freimaurerloge!”

 

In der Tat: Die Freimaurer haben sich lange Zeit spiegelbildlich verhalten.

Das heißt: Sie haben nichts darüber kund getan, warum sie gern in einer Loge sind und sich in ihr wohlfühlen.

Diese Zurückhaltung hat zu Fehlurteilen und Vorurteilen geführt und die Entstehung eines verzerrten, mitunter bizarren Bildes von Freimaurerei in der Öffentlichkeit beigetragen.
Nur selten ging es dabei so harmlos ab wie in Hamburg, wo man in einer öffentlichen Umfrage „Was ist Freimaurerei?” u.a. zur Antwort erhielt: „Freimaurerei ist die wilde Bebauung brachliegender Gebietsflächen.”

Aus diesem Sachverhalt hat man die richtige Konsequenz gezogen.
Heute öffnet sich die Freimaurerei auf breiter Front und gibt Auskunft über sich.

 

Dafür sind zumindest zwei Gründe maßgeblich:


E r s t e n s
Die Gesellschaft in Deutschland hat ein Recht darauf, zu erfahren, was Freimaurerei ist und wo beziehungsweise wofür sie steht.


Z w e i t e n s
Die Selbstauskunft gibt der Freimauerei eine doppelte Chance:
Zum einen trägt sie dazu bei, Fehlurteile zu korrigieren und Vorurteile zu überwinden.
Zum anderen gelingt es ihr so, Menschen von der Wertigkeit des Kulturangebots „Freimaurerei” zu überzeugen.
Wie sieht dieses Kulturangebot „Freimaurerei” der GLRYzF aus und wie wird es von ihren vier Gründerlogen


• Friedrich Wilhelm zur gekrönten Gerechtigkeit
• Pythagoras zum flammenden Stern
• Urania zur Unsterblichkeit
• Zur Siegenden Wahrheit

 

präsentiert?


Eingangs sind hierzu drei grundlegende Feststellungen zu treffen:

 

-Erstens-
Jede Loge ist eine Gemeinschaft brüderlich verbundener Männer, die auf der Basis einer Kultur der Mitmenschlichkeit eine gehobene Geselligkeit pflegen.


-Zweitens-
Jede Loge ist eine ethisch orientierte Gemeinschaft, in der von den Brüdern gemeinsam darüber nachgedacht wird, Wege zu sinnvoller Lebensgestaltung ausfindig zu machen und Motivation für moralisches Handeln zu wecken.


-Drittens-
Jede Loge bietet einen auf Symbole und Rituale gestützten spirituellen Erfahrungsraum, in dem Ideen und Ziele des Freimaurerbundes im Bewußtsein und Verhalten der Brüder verankert werden.

 

Diese drei Feststellungen zum Charakter der vier Royal-York-Gründerlogen, die gleichbedeutend sind mit den drei Säulen des Freimaurerbundes, sollen nun mit ein paar zusätzlichen Bemerkungen erläutern werden:

 

-Erstens-

Die Royal-York-Loge als Gemeinschaft brüderlich verbundener Männer– was heißt das?

 

Als Gemeinschaft brüderlich verbundener Menschen will jede Royal-York-Loge wie alle anderen Freimaurerlogen der Gefahr einer Isolierung des Einzelmenschen in der modernen Gesellschaft entgegenwirken. Sie folgt damit der speziellen Tradition der Freimaurerei, Trennendes zu überwinden, Gegensätze abzubauen, Verständigung und Verständnis zu fördern sowie Menschen zu verbinden, die sich nach Herkunft und Interessenlage sonst nicht begegnen würden.

Das Leben einer lebendigen Loge hat viele Seiten und eröffnet damit einen Zugang für unterschiedliche menschliche Neigungen.

Die Pflege von Geselligkeit – Kultur im Logenhaus bzw. Dialog im Logenhaus – gehört von Anfang an ebenso dazu wie die geistige Arbeit – Vorträge über Themen mit mehr oder weniger eindeutigem Bezug zur Freimauererei, ferner das gemeinsame Nachdenken – Klausurtagungen der Loge – und schließlich der brüderliche Dialog mit anderen Logen im Haus der Bruderschaft – auch der Frauenloge – oder mit befreundeten Logen im In- und Ausland.

Allerdings: Lebendig sind alle Logen – auch die Royal-York-Logen – nur dann, wenn die Brüder sich und ihren Bund als Freimaurer Ernst nehmen.

 

„Freimaurerei ist, was Freimaurer wirklich tun – nur das zählt”.


Nichts ist wichtiger als durch engagierte Mitmenschlichkeit glaubwürdig zu sein.

Rhetorik schafft keine Glaubwürdigkeit.
Aufmerksam sein, Verantwortung übernehmen und wechselseitig Respekt zu üben, davon hängt vor allem die Glaubwürdigkeit der Brüder, und damit der Loge, ab. Nichts ist so schädlich wie die brüderliche Fassade, das aufgesetzte „so tun als ob”.

Dass die Royal-York-Logen Männerbünde sind, dazu können wir uns mit großer Selbstverständlichkeit und ohne jedwede Verteidigungsversuche eindeutig bekennen.

Der Grund ist klar: Unsere Logen sind offen, d.h. Ehefrauen, Lebensgefährten oder -Innen und Familien sind in die geselligen Kontakte der Logenmitglieder fest eingebunden.

 

Jede Royal-York-Loge steht in einem Wettbewerb nicht nur mit anderen Logen, sondern auch mit profanen Organisationen ethischer Orientierung. Um kraftvolle Ausstrahlung zu gewährleisten und klare Identität zu stiften, muß sie vier Prinzipien verpflichtet sein:

 

QUALITÄT

– das heißt: Sorgfältige Auswahl der neu aufzunehmenden Männer, hohes Niveau des gesellschaftlichen, geistigen und rituellen Lebens in der Loge;


REDLICHKEIT

– das heißt: Stets alles so auf den Prüfstand zu stellen, daß die Loge und der Bruder auf dem als richtig erkannten Entwicklungsweg mit Verantwortung, Augenmaß und Leidenschaft erfolgreich voranschreiten;

OFFENHEIT

– das heißt: Offenheit für neue, suchende Männer, Offenheit für den Bruder, der Orientierung sucht, und für die Schlüsselfragen unserer Zeit, die es aufzuarbeiten gilt, um in der Öffentlichkeit diskursfähig zu sein;
und schließlich


KONSEQUENZ

– das heißt: Darauf zu achten, daß jeder Ansage bzw. Vorhaben ein konsequentes Handeln aller Brüder folgen muß, um glaubwürdig zu sein und zu bleiben.

 

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Und dies führt 

-Zweitens-

Zur Royal-York-Loge als ethisch-orientierte Gemeinschaft – was heißt das?

 

Als Mitglieder eines ethischen Bundes orientieren sich Brüder jeder Loge an den zwar alten, aber zugleich stets aktuellen Werten ihrer besten Tradition: Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Friedensliebe und soziale Gerechtigkeit. Logen – auch die Große Loge Royal York zur Freundschaft – sind heute so wie früher keine politischen Aktionsgruppen. Sie wollen aber durch geistige Arbeit, durch brüderliches Gespräch und vorurteilsfreies Nachdenken – nach dem Grundsatz: „Richtiges Fragen ist wichtiger als zu kurz gegriffene Antworten” – Raum und Atmosphäre dafür schaffen, daß der einzelne Freimaurer seinen Weg zu verantwortungsbewußter Lebensgestaltung und gesellschaftlichem Engagement außerhalb der Loge findet.


Das Leitbild ist eine zeitgemäße Gegenwartsfreimaurerei, die ihre Aufgabe im System gesellschaftlicher Gruppen definiert als ein zielgerichtetes Handeln zur Verwirklichung eines gerechten Staates, der auf ethischen Prinzipien beruht und der jeden, auch den Freimaurer, zu einem politisch Handelnden macht, der diesen Prozeß direkt oder indirekt zu beeinflussen sucht.
Der Handlungsauftrag ist nicht beschränkt auf eine zeitgemäße Definition freimaurerischer Werte, sondern umfaßt auch die Pflicht, die Loge als Stätte vorbildlicher Werteeinübung nach innen und außen attraktiv zu machen. Wir Freimaurer müssen deutlich machen, daß Humanität nicht ein Wert an sich ist, sondern nur als gelebte menschliche Wirklichkeit überzeugt. Denn freimaurerische Ethik ist keine reine Gesinnungs-, sondern vor allem eine Verantwortungsethik, d.h. Verantwortung für die Mitwelt, die Umwelt und die Nachwelt.

 

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Und dies führt

-Drittens-

Zur Royal-York-Loge als ein auf Symbole und Rituale gestützter spiritueller Erfahrungsraum – was heißt das?

 

Dabei ist das Augenmerk darauf gerichtet, daß die in modernen Lebens- und Arbeitsformen erfolgende, rationale Daseinsbewältigung nur eine Seite menschlicher Existenz ist, die einer notwendigen emotionalen Ergänzung bedarf, welche im freimaurerischen Brauchtum vermittelt werden soll.
Daß Freimaurer – so auch die Royal-York-Brüder – über die Einzelheiten ihres Brauchtums Verschwiegenheit bewahren, hat nichts mit Geheimniskrämerei zutun. In jeder guten Bibliothek befinden sich viele Veröffentlichungen, die über das freimaurerische Ritual detailliert berichten. Die geübte Verschwiegenheit ist  vielmehr zur Einübung in die Vertrauenswürdigkeit gedacht und hat im Leben der Loge eine erzieherische Funktion.
Trotz der Verschwiegenheit über Details kann vermittelt werden, worum es bei den Symbolen und symbolhaften Handlungen der Freimaurer geht und was von ihnen erwartet wird.


Da ist erstens der geschlossene Logenraum, die Bauhütte, der Tempel, in dem Freimaurer einen Teil ihrer Veranstaltungen abhalten, als Stätte der Ruhe und der Besinnung. Freimaurerlogen sind keine Fluchtburgen vor den Pflichten des Alltags, keine Schutzwälle, hinter denen sich Männer mit dem Rücken zur Gegenwart in die heile Welt des Mittelalters zurück- träumen. Bauhütten wollen vielmehr Plätze der Nachdenklichkeit, des stillen Kräftesammelns sein.


Da ist zweitens die Arbeit als Ordnung der Zeit. Unsere Lebenszeit ist ein Bauwerk. Bei diesem anspruchsvollen Vorhaben sind unterwegs immer wieder Haltepunkte – eben die Tempelarbeiten der Freimaurer in den verschiedenen Graden – vonnöten.

Da sind drittens einzelne Symbole als Mittel der Selbsterziehung
bzw. der kritischen Selbstüberprüfung, wie z.B.:


• Der rechte Winkel als Maß richtigen, gerechten Handelns;
• Der vierundzwanzigzöllige Maßstab als Mahnung sinnvoller Zeiteinteilung;
• Der Hammer als Symbol produktiven Schaffens;
• Die Bruderkette als erlebter Auftrag zur Brüderlichkeit.


Da ist viertens das bildhafte und emotionale Erleben menschlicher Entwicklung. Die freimaurerischen Grade des Lehrlings, des Gesellen und des Meisters verdeutlichen die Entwicklung des Menschen. Nicht in dem Sinne, daß irgendeiner von uns die Meisterschaft für sich beanspruchen könnte, wohl aber als Erfahrung der inneren Weiterentwicklung.
Letztlich vermittelt das freimaurerische Brauchtum auch Hinweise auf einen transzendenten Bezug. Wenn wir Freimaurer das Symbol des Großen Baumeisters aller Welten als Zeichen für ein höheres Ordnungsprinzip verwenden, so erinnern wir daran, daß sinnvolles Leben wohl nur dann gelingen kann, wenn sich der Mensch einer höheren Ordnung, die auf der Ehrfurcht vor dem Leben und auf der Achtung der freien Individualität des Menschen basiert, verantwortlich und auf diese rückbezogen fühlt.
Um gleich einem eventuellen Mißverständnis vorzubeugen:

 

„Freimaurerei ist keine Ersatzreligion”.

 

Und folglich:
„Die Royal-York-Logen respektive die Große Loge Royal York zur Freundschaft sind keine Religionsgemeinschaften”.

 

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Die vorstehenden Einlassungen zu den drei Säulen des Selbstverständnisses der vier Royal-York-Gründerlogen führen nun zu der abschließenden Frage:

Welche Wirkungen gehen von dieser Logenarbeit auf den einzelnen Royal-York-Bruder aus?

Diese Frage provoziert eine zweite, weiter ausgreifende Gegenfrage:
Wird die Gesellschaft durch die Freimaurerei respektive durch ihre Logen – auch durch die Royal-York-Tochterlogen – verbessert?

 

Die Antwort kann nur lauten:
„Die Welt wird zwar nicht durch die Freimaurerei verbessert, wir sollten aber lernen, daß freimaurerische Arbeit sehr sinnvoll ist”.


Der Grund dafür ist einleuchtend:
Freimaurer – auch die Brüder der vier Royal-York-Gründerlogen – tun nichts anderes, als zwischen den Menschen verschiedener Herkunft, Nation und Überzeugung als Brückenbauer zu wirken.
Dieses doppelsinnige Bild aus der Welt des Bauens, aus der unsere freimaurerische Symbolik stammt, meint die Brücke zum Nächsten, die Gräben und Grenzen überspannt, und die über alles Trennende hinweg Menschen miteinander verbindet.

Für uns Royal-York-Brüder ist dieses Menschenverbindende, das Brückenbauen zum Mitmenschen, ein ganz elementares Prinzip, aber, zugegeben, ein optimistisches, mitunter visionäres Prinzip, das uns trotz aller Rückschläge stets neue Kraft zu einem geduldigen Bemühen geben sollte.
In diesem Sinne ist jeder Bruder einer Royal-York-Loge ein „Sisyphos“, den man sich – um mit A. Camus zu sprechen – dennoch als zufriedenen, weil sinnerfüllten Menschen vorstellen muß.